Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet

Wer ist Michael Lüders?

Dr. Michael Lüders, geboren 1959 in Bremen. Studium der arabischen Literatur in Damaskus, der Islamwissenschaften, Politologie und Publizistik in Berlin. Promotion über das ägyptische Kino. Dokumentarfilme für SWR und WDR. Langjähriger Nahostkorrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT. Lebt als Politik- und Wirtschaftsberater, Publizist und Autor in Berlin. (Entnommen von seiner Website)

Der Mann scheint Ahnung vom Orient zu haben. So weit, so gut.

Zum Inhalt des Buches:

Der Autor stellt anfangs dar, was er mit dem Buch bezwecken will: Es soll eine Abrechnung mit der westlichen Politik im Nahen Osten sein. Die Fragestellung lautet implizit: Was richtet der Westen im Osten an und warum? Hinter den Interventionen steckt immer das Schlagwort „westliche Werte“, dabei geht es nur um eigene Interessen. Die Welt wird in Gut und Böse unterteilt, und letzterer durch Regierungen und Medien dämonisiert. Die Guten verhängen dann Strafen, aber lernen anschließend nicht aus ihren Fehlern. So entstehen dauerhafte Krisengebiete, in denen sich Extreme, wie der IS, bilden können.

Als ersten Fehler sieht er den Sturz des Iranischen Premierministers Mossadegh 1953 durch die CIA. Alles wurde geplant u.a. im Vorfeld Außenpolitische, Innerpolitische und Mediale Dämonisierung. Auch GB waren involviert, so ging es doch um ihre Öl-Vorkommen, die Mossadegh verstaatlichen wollte. Nach dem Sturz wurde die Bevölkerung unterdrückt bis 1979 Khomeini an die Macht kam und einen Islamischen Staat errichtete.

Wer den Wind sät – Michael Lüders, Buchcover

1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein um ihren Machtanspruch zu sichern. Auch hier mischten die USA und ihre Verbündeten, Pakistan und Saudi-Arabien mit um die Besatzer aus dem Land zu Jagen.

Dabei wurde Osama bin Laden unterstützt, der sich nach dem Abmarsch der Sowjets aufgrund amerikansicher Truppenräsenz in Saudi-Arabien gegen die USA richtete.

Vorherschende Glaubenslehre war und ist der Wahhabismus, der an die Einheit von Staat und Religion appeliert. Im Grunde haben das der IS, die Al-Qaida und Saudi-Arabien gemeinsam, allerdings mit einem anderen Herrschergebilde.

Dann kam der Iran-Irakische Krieg 1980-88 mit Saddam Hussein. Er wurde von der USA unterstützt, da er die Islamische Republik Iran bekämpfte. Diese ausländischen Gelder, eigentlich Kredite, konnte er lt. dem Autor nicht mehr aufbringen und griff deshalb Kuweit an. Kuweit war aber die Tankstelle der USA, die daraufhin Saddam aus dem Land jagten und danach den Irak bombardierten. Im Zuge dessen starben sehr viele Menschen. Jetzt wollte man Saddam stürzen, was mit den Septemberereignissen (9/11) und falschen Anschuldigungen im Bezug auf Massenvernichtungswaffen eingeleitet wurde und ohne Kriegslegitimation  gelang. Es begann der Umbau des Landes. Im Prinzip beutete man das Land aus, achtete aber nicht auf die verschiedenen Ethnien und deren Kultur.

Es breitete sich Widerstand aus. Dadurch konnte sich der IS formieren.

Zu Syrien: 2011 entstanden Proteste gegen Assad. Diese wurden niedergeschlagen. Seitdem wird die Opposition von dem westen unterstützt, der Diktator vom Osten. Durch die andauernden Kämpfe konnte sich der IS ausbreiten. Die Gruppierung ist also ein Ergebnis der westlichen Politik.

Große Kritik übt Lüders außerdem an Israel und dessen Unterstützung durch die USA. Gegen die Palästinenser wird sich nicht verteidigt, wie offiziell immer behauptet, sondern ein rigoroser Angriffskrieg geführt.

Meinung zu „Wer den Wind sät“

Meiner Meinung nach spiegelt das Buch die allgemein wahrnehmbare Skeptik gegenüber dem Westen wieder und Lüders unterstützt diese These. Er zeigt auf, dass die Welt nicht in Gut und Böse einzuteilen ist, sondern sich weitaus komplexer darstellt. Diese Komplexität wird von dem Westen allerdings oft simplifiziert. Schlussendlich geht es nur um Interessen. Die „westlichen Werte“ sind nichts anderes als ein religiöses Mantra zur Legitimation der Interventionen.

Allgemein ein spannendes Buch. Ich hätte mir zur Überprüfung seiner Argumente ein Quellen- und Literaturverzeichnis gewünscht. Zusätzlich ist diese Schrift subjektiv gefärbt, was der Autor auch implizit, also indirekt, am Anfang erwähnt.

In Rezensionen habe ich oft gelesen, dass der Autor einseitig und gegenüber Diktatoren unkritisch schreibt. Die gefühlte Einseitigkeit liegt sowohl an der Fragestellung, als auch an der Seitenanzahl (170). Das zweite Argument kann ich nicht stützen, da Lüders sehr wohl die Herrschenden im Nahen Osten verurteilt.

Bibliographische Angaben:

Michael Lüders, Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-67749-6.

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