Tag der Arbeit! Der geschichtsträchtige erste Mai steht vor der Tür und die ersten halbstarken Vermummten bewaffnen sich bereits. Ja, es ist einer dieser Tage, an dem die Städte aus ihren Betonangeln gehoben werden und die Medien sich wie Holzwürmer durch aufregendes Bildmaterial fressen. Es ist einer dieser Tage, an dem die einen über die anderen schimpfen und sich verschiedene Gruppen über andere Gruppen ärgern. Aber das muss nicht sein! Wir als Investoren müssen schließlich die Chancen und nicht das Problem sehen. Analysieren wir deshalb kurz die Lage.

Zahlreiche Videos auf YouTube zeigen, dass es immer wieder zu Krawallen kommt. Die Demonstranten sind mit Fahnen, Transparente und Bengalis ausgestattet. In manchen Gegenden sind Flaschen und Steine auch eine beliebtes Mittel, um ausgelassen zu feiern. Ein krasser Demoauftritt wird aber nur mit den richtigen Klamotten erreicht. So sind besonders schwarze Kleidungsstücke im Trend und der geilste shit auf den Fashion Shows der Streets. Ganz klar: Hier können Investoren ansetzen.

Das kurzfristige Rendite-Package für den 1. Mai

Wir wissen jetzt, was am Demo-Markt nachgefragt wird. Jetzt heißt es handeln! Natürlich möchte ich euch an meinen Ideen teilhaben lassen.

Stein-Verleih

Ein Stein-Verleih ist immer eine gute Idee bei einer größeren Demo. Ein kleiner Kiosk ist schnell aufgebaut. Die Steine sammeln wir gratis am Vortag bei einem Seeufer, einem Rad- oder Wanderweg ein. Ein Freund von mir meinte, man könnte sie auch von Baustellen nehmen. Ja, gut. Geht im Notfall auch. Um unser Dienstleistungsprogramm den Demo-Teilnehmern schmackhaft zu machen, setzen wir auf eine klare Produktdifferenzierung. Wer kann dann schon „Nein“ sagen? Wir liefern top Steine in verschiedenen Größen, ein klares Zeit- und Energie-Ersparnis-Versprechen und bieten auch einen After-Sale-Service: Ein Beschwerdemanagement zur nachträglichen Bewertung der Steinqualität wird eingerichtet.

Pro-Tipp: Bitte vorher in lokale Bauunternehmen investieren! Das verspricht eine Renditesteigerung von 200%!

Gibts bei Bondora übrigens auch. Naja, fast. Dafür 5€ geschenkt!*

Der kleine Jura-Ratgeber für Demos

Immer wieder sind Demo-Teilnehmer von Verhaftungen betroffen. Viele davon haben keine oder nur wenig Erfahrung mit dem Umgang mit der Polizei. Wir schreiben ein 10-Seitiges Booklet mit den wichtigsten juristischen Fakten und Tricks – Bloggerstyle. Natürlich ist die Vermarktung hier ein bisschen schwieriger. Aber keinen Stress, mit der richtigen Zielgruppen-Ansprache ist das ein klacks. Eine erste Free-Version hilft dem Verkauf auf die Sprünge.

Pro-Tipp: Am besten ganz viel Angst machen. Das hat auch in der Politik schon immer funktioniert.

Street-Fashion Pop-Up-Shop

Wir eröffnen noch schnell einen Pop-Up-Shop im Demogebiet – Bahnhofsnähe. Unsere Verkaufsschlager:

  • Skimaske von der Marke ICatchUNot
  • Che-Shirt von der Marke IMake$$$WithRevolutions
  • Schwere Stiefel von der Marke MussManHaben

Natürlich kaufen wir die Sachen auf Kommission. Schließlich sind wir nicht doof. Unsere Chancen stehen aber gut, unser Zeug an den Mann/die Frau zu bringen. Denn wer kennt es nicht? Einmal ist man unterwegs zu einem interessanten Treffen, und schon werden wichtige Utensilien vergessen.

Foodtruck

Essen muss jeder. Wir mieten einen Foodtruck und tuckern zwischen Demoteilnehmern und der Polizei hin und her. Ob das tatsächlich gelingt hängt auch ein bisschen von unserem Glück ab, aber unser Risikomanagement sagt: „Und wenn nicht, dann sind wir halt nur auf einer Seite.“ Alles klar.

Der Schadens-Index: Wetten für die Trader

Wer noch mehr Nervenkitzel will, eröffnet kurzerhand eine eigene Demo-Börse. Dort wird ein Index erstellt, der die Schäden an der Infrastruktur abbildet. Ab 50€ pro Order ist es möglich zu traden. Aber Achtung! Aufräumarbeiten und Polizeimaßnahmen minimieren die Gewinnchancen bei einem Trade auf einen Punkteanstieg. Natürlich kann auch auf die Gegenseite gewettet werden. „Der Staat gewinnt immer“, wirft jetzt der Profi ein. Klar, deshalb gibt es eine zeitliche Begrenzung des Handels. Hört sich ja fast so an wie Binäre Optionen, igitt.

Egal wie es ausgeht – wir gewinnen alle

Wer keinen Bock auf die Vorschläge hat muss keine Angst um eine entgangene Chance haben. Investitionen in Bauunternehmen reichen, um von vielen Demos zu profitieren. Und selbst, wenn wir keinen Finger krümmen, ist die Ironie doch, dass wir (aber auch „wir“ im gesellschaftlichen Sinn) durch verschiedenen Unternehmen (Konsumgüter…) von dem Geplänkel etwas mitnehmen. Schließlich sind viele Demos auch ein Tag der Freizeit und des Demo-Tourismus. Und irgendwie müssen Menschen von A nach B kommen…essen, trinken…und am nächsten Tag Konsumgüter kaufen. Gut, besser, Investieren.

Das ist übrigens keine Gegenrede zum ersten Mai, dessen historische Bedeutung bis heute für Arbeitnehmer wichtig ist, oder generell Demos, sondern eine satirische Auseinandersetzung mit Demos bzw. Krawall-Machern allgemein.

@Photo by Randy Colas on Unsplash