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Review: A Wealth of Common Sense von Ben Carlson

gelesene bücher

Was haben ein Anleger und und noch kein Anleger gemeinsam? Beide finden im Internet tolle Informationen und Geschichten, wie wir schnell reich werden. „Experten“, nennen sie sich die Geldprediger meistens und versprechen dir wunderbare Gewinne mit „System“. Wie es immer so ist, klappt dann doch nicht alles so einfach. Das Buch „A Wealth Of Common Sense: Why Simplicity Trumps Complexity in Any Investment Plan„* von Ben Carlson zeigt, welche Fehler wir vermeiden sollen, warum Strategien unterschiedlich sein müssen und wie wir mit einfachen Mitteln (Hausverstand) ein besserer Investor/eine bessere Investorin werden.

Wenig Zeit für den ganzen Artikel? Am Ende findest du eine Zusammenfassung (TL;DR)

Akzeptiere die Unterschiedlichkeit von Investoren

Erfolgreiche Anlagestrategien müssen nicht unbedingt für dich funktionieren. Mit großem Geld kommt große Verantwortung Macht und damit geringere Gebühren. Zusätzlich kümmern sich beispielsweise institutionelle Investoren millisekündlich um ihr Portfolio und haben Zugriff auf allerlei Informationen.

Aber auch zwischen den Großinvestoren gibt es Unterschiede. Ein prominentes Beispiel ist das Universitätsportfolio von Yale. Mit einer 14%igen Rendite pro Jahr seit  den 90ern hatte sich der Verwalter David Swensen einen Namen gemacht. Die Investmentmethode nennt sich seither „Yale-Modell“. Nachahmen? Leichter gesagt als getan. Die Investmenthöhe ist enorm, das Kapital ist nicht an Zeit gebunden (Kurzfristige Gewinne) und die Steuerabgaben unterscheiden sich als Non-Profit/Stiftung.

Wir sollten uns an dieser Stelle klar machen, dass das beliebte Argument: „Folge dem Erfolgreichen“, auch „Argumentum ad crumenam“ genannt, ein Trugschluss ist bzw. die Wahrheit verzerrt. Denn wir wissen nicht, welche externen Variablen zum Erfolg beigetragen haben oder ob es vorher Fehlschläge gab und wenn ja, wie viele. Wenn also jemand sagt: „Ich habe in den letzten zwei Monaten 20.000€ mit zwei Trades verdient, deshalb habt ihr auch die Chance auf so einen Gewinn. Aber nur, wenn ihr mein Seminar kauft.“ Dann seid vorsichtig. Genauso funktioniert übrigens auch oft die Argumentation in Wirtschaftsfragen. „Das Modell sagt X, deshalb Y“. Ein sozialwissenschaftliches Modell verspricht aber leider auch keine absolute Wahrheit. Genau deshalb ist mir dieser ganze Marktfundamentalismus ala „Markt ohne Staat und blablabla“ (dem sogar Adam Smith widerspricht) zuwider. Aber zurück zum Buch.

 

Vermeide Fehler und werde automatisch erfolgreicher

Erinnerst du dich noch an einen Jugendstreich, von dem du jetzt sagst: „Boah, das war ziemlich dumm“? Du hast es damals sicher schon besser gewusst, aber das war dir im jugendlichen Leichtsinn egal. So soll es auch bis zu einer gewissen Grenze sein, denn nur so entstehen lustige Erinnerungen. Aber wie ist es beim Investieren? Dabei verlierst du bei Fehlern nicht deine Unschuld, sondern viel Geld. Natürlich ist Fehler machen erlaubt und notwendig, aber ein paar kannst du von vornherein vermeiden. Der Autor zählt folgende auf:

  1. Falle nicht auf das Schema „Mit diesem System wirst du schnell reich“ herein.
  2. Überschätze dich nicht. Denn wer weiß schon, wie sich die Aktienkurse entwickeln? Bestes Beispiel: Celgene. Das Unternehmen hatte ein vielversprechendes Medikament namens Mongersen am Start. Hohe Erwartungen, Kurssteigerungen. Dann der Kurseinbruch: Das Medikament sei nicht effizient genug.
  3. Folge nicht der Masse (ich ergänze: sowie „Experten“) und denke für dich selbst. In dieser Kategorie bin ich ganz am Anfang meiner Börsenkarriere auch schon mal gelandet. Eine Analyse von einem bekannte FinanzYoutuber veranlasste mich zum Kauf einer Aktie, die zwar nicht abstürzte, aber auch kein gutes Investment war. Nach Steuern kam ich auf einen kleinen Verlust.
  4. Halte deine Emotionen im Zaum und analysiere die Situation. Beispielsweise bei einem Kurseinbruch. Ist es wirklich Zeit zu verkaufen, oder setzt du auf die langfristige, positive Entwicklung am Markt. Denn langfristig soll sich ein Investment am Aktienmarkt doch immer lohnen, oder nicht?
  5. Verstehe deine Investments. Ich würde hinzufügen: Verstehe sie im Sinne deiner Strategie!

Risiko, Rendite und dein Finanzplan

Risiko ist das Vehikel für Rendite. (Was würde Pim Van Vliet dazu sagen?) Oder wie der Autor schreibt: Von 1928 bis 2013 erzielten Anleger eine durchschnittliche Rendite von 6,5% mit Aktien, 1,9% mit Anleihen und 0,5% mit normalem Sparen.

Dafür muss aber auch bei Aktien ein höheres Risiko eingegangen werden. Und hier sind wir Menschen sehr unterschiedlich. Du bezeichnest das Risiko am Aktienmarkt als Chance, dein Nachbar als Problem. Genau aus diesem Umstand sind jeweils verschiedene Anlagestrategien zu wählen.

Mit der Risikotoleranz, der Strategieauswahl und weiteren Fragen soll dann ein Investmentplan erstellt werden, der dir hilft, „auf der Spur“ zu bleiben. Eben, um auch emotionale Käufe zu verhindern.

In weiterer Folge spricht Carlson die notwendige Diversifikation an (das Lieblingsthema von Vincent ;), um etwas an Risiko abzufedern. Außerdem sollte nicht dauerhaft herumgedoktert werden, weil das nur zu Kosten führt.

Das Buch ist kein Fehler, liefert aber keine Soforthilfe

Das Buch* greift auf knapp 200 Seiten Mythen und Fehler auf und beschreibt, wie wir uns als Investor positionieren. Kurz: Mit Einfachheit zum Vermögen. Was fehlt? Beispielsweise ein Modell einer Asset Allocation. In vielen Büchern findest du einige Vorschläge zum „richtigen“ Aufbau eines Portfolios. Das fehlt in „A Wealth Of Common Sense“. (Bis auf den Vorschlag, in günstige Fonds zu investieren) Aber genau das braucht es vielleicht auch gar nicht, denn ein Portfolio ist individuell. Fallstricke dagegen universal. Was aber noch gesagt werden muss: Wer sich schon etwas länger in das Thema eingelesen hat, wird hier nicht zu völlig neuen Erkenntnissen kommen.

TL;DR

Der Autor Ben Carlson von „A Wealth Of Common Sense„* schreibt über Fallstricke in der Geldanlage und der Festlegung einer persönlichen Investmentphilosophie. Was sind die Fallstricke? Wir sollten nicht auf „schnell reich werden“ Modelle hereinfallen, uns über die Individualität erfolgreicher Investmentstrategien klar werden, uns nicht überschätzen, unsere Emotionen analysieren und nicht der Masse das Denken überlassen. Bei unseren Anlagen sollen wir uns über das persönliche Risiko Gedanken machen, einen Plan aufgrund von langfristigen Zielen erstellen und diversifizieren. Ein interessantes Buch für Einsteiger und Fortgeschrittene. Letztere werden aber wahrscheinlich nicht zu völlig neuen Erkenntnissen kommen.

 

 

 

 

denkfabrik: Mein Name ist Johannes und ich will dich mit denkfabrik.rocks bei deiner Finanzplanung und dem Vermögensaufbau unterstützen. Seit 2015 bin ich Investor an der Börse und ein Freund der langfristigen Geldanlage.
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