„Was zum Teufel meinst du damit?“

Letztens unterhielt ich mich mit einem Freund über finanzielle Bildung, finanzielle Entscheidungen und langfristige Investitionen. Die Sonne brannte auf unserer Haut und fast schon dem Kollaps nahe erklärte ich nebenbei, dass das lustige Treiben an der Börse und überhaupt unsere finanziellen Entscheidungen für mich ein Schauspiel der inneren und äußeren Zwänge sind. Ein psychologisches Schlachtfeld so zu sagen.

Aber wovon hängen unsere finanziellen Entscheidungen wirklich ab? Kann uns die Psychologie tatsächlich weiterhelfen?

Beginnen wir ganz von vorne:

  1. Warum treffen wir schlechte, finanzielle Entscheidungen?
  2. Warum handeln wir als Investoren nicht immer rational?
  3. Gibt es den „effizienten Markt“?
  4. Was beeinflusst unsere Entscheidungen noch?

Finanzielle Bildung: Geht so.

Empirische Untersuchungen zeigen ein relativ einheitliches Bild der finanziellen Situation in Haushalten. Über 92% haben normale Konten, schon weniger sind mit einer Lebensversicherung ausgestattet. Und nur 15% halten Wertpapiere oder Fonds. Warum?

Ein großes Problem ist die finanzielle Bildung. Dadurch sind wichtige Entscheidungen über Geld zum scheitern verurteilt. Menschen verlieren an Vermögen, weil sie einfache Regeln nicht beachten. Diversifikation ist da noch das geringste Problem. Sogar NFL Spieler bleiben nicht verschont. 15% gehen pleite. Einfach nur, weil sie zu wenig sparen, oder zu risikohaft investieren.[1]

Wenn du dir gerade denkst:”Oh mann, ich weiß auch noch nicht so genau, wie das alles funktioniert”, kannst du dir zum Investieren diesen Artikel ansehen: Wie beginne ich mit dem Investieren – Schritt für Schritt. Eigeninitiative ist immer noch die beste Initiative. Und die benötigt Verantwortung.

Bist du finanziell gebildet? Dann mache jetzt den Test (auf englisch. wir wollen so original als möglich bleiben ;))! Wenn du mindestens zwei der fünf Fragen richtig hast, kannst du ruhig schlafen. In fast allen Ländern zeigt sich ein einheitliches Bild: 43% der Männer und 32% der Frauen zwischen 18-24 Jahren können mit den Fragen nichts anfangen. 2004 konnten 67% der Haushalte richtige Antworten geben.[2]

Suppose you had $100 in a savings account and the interest rate was 2 percent per year. After five years, how much do you think you would have in the account if you left the money to grow?

Imagine that the interest rate on your savings account was 1 percent per year and inflation was 2 percent per year. After one year, would you be able to buy more than, exactly the same as, or less than today with the money in this account?

Do you think that the following statement is true or false? "Buying a single company stock usually provides a safer return than a stock mutual fund."

Suppose you had $100 in a savings account and the interest rate is 20 percent per year and you never withdraw money or interest payments. After five years, how much would you have on this account in total?

If the interest rate falls, what should happen to bond prices?

Fondsauswahl: Das könnte besser sein!

Die Fondsauswahl lässt zu wünschen übrig. Viele Studien haben gezeigt, dass Fondsmanager den Markt nicht outperformen können, was das Ziel dieser Fonds ist.[3] Besser Konfetti kaufen, denn damit hat man mehr Spaß, als mit den hohen Gebühren dieser Investmentmöglichkeit. Wie tausendmal darauf hingewiesen wären Indexfonds eine bessere Option. Weniger Gebühren, mehr Spaß. Aber warum sind aktive Fonds so populär? Eine plausible Erklärung wäre, dass Haushalte Glück und Können missverstehen. Es wird angenommen, dass ein Fond nach einem guten Lauf schlecht verformt. Wenn er dann doch gut abschneidet sind wir der Meinung, dass es an den Skills der Fondsmanager liegt.[4] Aber Moment? Stimmt das mit der Performance wirklich? Vincent (freakyfinance) hats mal abgecheckt.

Psychologische Fehlannahmen beim Investieren

irrationales verhalten bei Investoren

In der Theorie sollten Investoren einen Teil ihres Vermögen investieren und ein diversifiziertes Portfolio besitzen. Das ist nicht immer der Fall. Es zeigt sich, dass es Pattern gibt, die dafür verantwortlich sind.[5] [6]

  1. „Disposition effect“
    1. Verkauf von Wertpapieren die im Wert gestiegen sind, als welche, die nach dem Kauf gefallen sind.
  2. „home bias“
    1. Tendenz, dass Investoren Wertpapiere von Unternehmen kaufen, die in der Nähe/lokal sind. Beispiel: Ich wohne in Salzburg/Österreich. Ich kaufe fast ausschließlich Wertpapiere von österreichischen Unternehmen. Was ist daran schlimm? Mein Risiko steigt, Geld zu verlieren. Klar, oder? Denn was passiert, wenn es in Österreich kracht? Alle meine Positionen verlieren an Wert.
  3. Wir handeln zu oft und verlieren Geld
    1. Das könnte an einem zu hohen Selbstvertrauen liegen. Eine andere Erklärung ist, dass wir es „lustig“ finden. Wenn du oft einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommst und gleichzeitig glaubst, einen höheren Intellekt als andere Menschen zu haben, dann achte auf dein Tradingverhalten.
  4. Außerdem schätzen wir neue Informationen als zu gut ein und unterschätzen andere Events. Zusätzlich lassen wir uns von vergangenen Gewinnen zu sehr beeinflussen.

Die Mär vom effizienten Markt

Warum geht der Preis hoch und runter…und wann…und wie? Eine Theorie war die Hypothese der effizienten Märkte. Wenn der Markt effizient ist, dann sollte Preise alle Informationen beinhalten. Beispiel: Ein Unternehmen verlautbart einen Einkommensbericht. Diese Information wird schnell und akkurat im Preis des Wertpapiers eingepreist.

Ist die Theorie richtig? Viele Studien behaupten das Gegenteil. 1980 fanden Ökonomen heraus, dass Investoren bei schlechten Nachrichten überreagierten. Wenn es schlechte Jahre gab reagierten Investoren auf schlechte News extrem pessimistisch. Es gibt auch eine andere Vorgehensweise: Investoren treiben den Preis hoch, wenn es gute Nachrichten gibt – allerdings um weniger, als das Unternehmen wert war. Außerdem sollten die Preise eines Unternehmens nicht hoch oder runter gehen, wenn es Informationen gibt, die nicht den Wert des Unternehmens betreffen. Es zeigt sich aber, dass die Produktwerbung einen Einfluss auf den Aktienwert hat.[7]

Aktienpreise sind ebenso von den Launen der Investoren abhängig. Sind wir gut drauf? Dann tendieren wir zu einem höheren Risiko. Ökonomen untersuchten dieses Phänomen mit dem Wetter und Sportevents. War es sonnig, waren die Gewinne höher. Wenn ein Land ein wichtiges Fußballmatch verliert, war die Tendenz da, dass die Aktienmärkte fielen. Was war die Hypothese? Durch das Verlieren bekommen wir schlechte Laune. Dadurch steigert sich unsere Risikoaversion und wir fragen weniger risikoreiche Aktien nach. [8] [9] Doof für die lieben Emerging Markets.

Sportevents und Aktienkurse? Fatal!

Dafuq: Vergangenheit, was machst du mit uns

Manager, CEOS und andere Entscheidungsträger werden von ihrer Vergangenheit extrem beeinflusst. Das gleiche trifft aber auch auf unser Verhalten zu. Dazu gab es eine interessante Studie mit Führungskräften. CEOS, die in der Weltwirtschaftskrise von 1929 aufwuchsen griffen weniger auf Kredite zurück. Menschen mit Militärerfahrung riskierten mehr. Weibliche CFOs waren weniger aggressiv, wenn es um die Steuerpolitik ging.

Unsere persönlichen Erfahrungen prägen uns extremer als erwartet. Menschen die in den 1930ern aufwuchsen, investierten weniger, als ihre Nachkommen. Wenn eine hohe Inflation herrscht, ist es wahrscheinlicher, dass wir in der Zukunft das gleich erwarten.

Was hat das alles mit Investoren zu tun? „Earning Calls“ geben darüber Aufschluss. Damit sollen schlechte Nachrichten umgangen und gute hochstilisiert werden. CEOs verwendeten dabei wesentlich positivere, als negative Wörter.[10]

Zusammenfassung

Bildung ist der Schlüssel, um gute, finanzielle Entscheidungen zu treffen. Die Zahlen zeigen aber, dass es nicht ganz so schlimm ist, wie auch in unserer „Finanzcommunity“ immer behauptet. Immerhin konnten im Jahr 2004 67% der Haushalte den „financial literacy-Test“ bestehen. Das ist doch ein Grund zu Jubeln. Ob dieser kurze Test aber wirklich sehr viel über finanzielle Bildung aussagt ist fraglich.

Interessant sind die Pattern, die uns zu irrationalen Wesen werden lassen. Vom “home bias” bis zur Tendenz, Nachrichten zu gut oder schlecht zu bewerten – das ist alles sehr spannend. Wir können uns diese Störfaktoren bewusst machen, und entgegengesetzt handeln.

Die Hypothese der effizienten Märkte kam auch in der Kommentarsektion meines Blogs einmal zur Sprache. Der Glaube daran ist vorhanden. Studien sagen etwas anderes. Psychologie hilft auch diesmal.

Die Frage nach dem Zusammenhang von Vergangenheit und finanzielle Entscheidungen finde ich extrem spannend. Jeder hat eine andere Geschichte, andere Erfahrungen gemacht und handelt deswegen anders. Das einschneidende Erlebnisse aber so eine hohe Bedeutung haben, hätte ich mir nicht gedacht. Was wäre die Lösung dafür? Tja, vielleicht reflektiert darüber Nachdenken. Aber ob das wirklich hilft?

 

Was ist deine Meinung? „Ach, alles nur Unsinn“, oder „Interessante Sache“?

 

 

 

 

[1] Frydman C./Camerer C., The Psychology and Neuroscience of Financial Decision Making, in: CellPress 20/9, 661-675.

[2] Lusardi, A./Mitchell, O.S., The economic importance of financial literacy: theory and evidence, in: J. Econ. Lit. 52, 5-44.

[3] Greenwood R./Scharfstein, D.: The growth of finance. J. Econ. Perspect. 27, 3-28.

[4] Rabin, M./Vayanos, D., The gambler’s and hot-hand fallacies: theory and applications, in: Econ. Stud. 77, 730-778.

[5] Barber, B.M./Odean, T., The behavior of individual investors, in: Handbook oft he Economics of Finance, 1533-1570.

[6] Frydman C./Camerer C., The Psychology and Neuroscience of Financial Decision Making, in: CellPress 20/9, 661-675.

[7] Lou, D., Attracting investor attention through advertising, Rev. Financ. Stud. 27, 1797-1829.

[8] Hirshleifer, D./Shumway, T., Good day sunshine: stock returns and the weather, in: J. Finance 58, 1009-1032.

[9] Frydman C./Camerer C., The Psychology and Neuroscience of Financial Decision Making, in: CellPress 20/9, 661-675.

[10] Frydman C./Camerer C., The Psychology and Neuroscience of Financial Decision Making, in: CellPress 20/9, 661-675.

 

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