Die moralische Debatte rund um Wertpapiere hört nie auf. Deswegen will ich euch hier nicht mit langen Abhandlungen langweilen, die mein Verhältnis zur „finanziellen Moral“ aufzeigen, sondern euch Tools an die Hand geben, um begründete moralische Entscheidungen zu treffen.

Im Kern beschäftigen wir uns mit dem Dilemma Kapitalismus und Ethik, also mit Wirtschaftsethik.

Dazu orientieren wir uns an einem praktischen Fall. Eine Case-Study zum mitmachen sozusagen.

Die schwierige Beteiligung

Ines sitzt über die letzten Geschäftsberichte des Chemie-Konzerns Hawoz. Sie will in das Unternehmen investieren und schlägt sich jetzt schon Stunden mit Kennzahlen herum, die sie aber nur von einem wichtigeren Thema ablenken, dass sie schon länger beschäftigt.

Die Hawoz AG beliefert Bauern in Nordafrika mit einem neuen Düngemittel, dass zwar Pflanzen schneller wachsen lässt, aber gleichzeitig ein hohes Risiko hat, die arbeitenden Bauern krebserregenden Stoffen auszusetzen. Tatsächlich sind von verschieden NGOs öffentliche Berichte vorhanden, die schon von Todesopfern schreiben. Ein Arzt wurde interviewt, der das Unternehmen direkt angreift.

Allerdings unterstützt das Unternehmen die Kinder der Familien und hat eine Schule aufgebaut, die gut besucht wird. Das ermöglicht den Kindern eine ordentliche Ausbildung ohne auf den Feldern arbeiten zu müssen. Diese Chance hatten die Kinder vorher nicht.

In einem anderen, lokalen Bericht liest Ines, dass die Regierung das Unternehmen trotz der Risiken unterstützt, weil sonst die Armut noch größer wäre. Mit dem Düngemittel können mehr Felder bewirtschaftet werden. Damit verdienen die Bauern mehr Geld als zuvor und können ihren Lebensstandard erhöhen.

Soll sich Ines an dem Unternehmen beteiligen?

 

 

Bevor du weiterliest: Scrolle ganz nach unten und schreib‘ zuerst einen Kommentar, was du Ines raten würdest. Lies dann nach, ob sich dein Vorschlag an einer vorgestellten Theorie orientiert.

 

 

 

 

 

3 Lösungsvorschläge

Theorie I: Welche „Ebene“ ist betroffen?

„Ebene“ ist sehr vage, aber das klären wir noch. In der Wirtschaftswissenschaft wird verstärkt auf diesen Ansatz zurückgegriffen, der auf Donaldson und Dunfee zurückgeht. Es gibt drei Ebenen von Normen:

  • Normen die lokale Gesellschaften betreffen
  • Normen die gesetzlich verankert sind
  • Prinzipien die über Gesellschaften hinweg gelten

Wie sieht das in unserem Fall aus? Auf der ersten Ebene gehen wir in das betroffene Land selbst und in die lokale Gesellschaft. Schwierig zu beurteilen, weil wir nicht genau wissen, ob die lokale Bevölkerung mit dem Handeln einverstanden ist.

Die zweite Ebene? Die Regierung unterstützt das Handeln, deshalb könnten wir annehmen, dass das Handeln „ok“ ist. In unserem Land allerdings nicht.

Die Dritte Ebene: Das Prinzip hinter dem Handeln ist auch schwierig zu beurteilen. Ist es Gier oder Verantwortungsbewusstsein? Ein Blick auf das Unternehmen kann noch einmal Klarheit schaffen (abgesehen davon werden wirtschaftliche Interessen  schon oft im Vordergrund stehen – wir sollten nicht naiv sein).

Ines ist indifferent und müsste noch weiter recherchieren.

Theorie II: Bringt die Handlung möglichst vielen Menschen ein gutes Leben?

Diese Theorie orientiert sich am Utilitarismus. In de BWL würde man von Gewinnmaximierung sprechen. Anders gesagt: Bringt die Handlung den größten Nutzen für die Gesellschaft?

Wie es das in unserem Fall? Tja, wir würden wohl zum Ergebnis kommen, dass die Handlung des Unternehmens korrekt ist. Schließlich bringt sie einen großen Nutzen für die Mehrheit der Gesellschaft. Die Kinder bekommen eine gute Bildung, müssen nicht mehr hart Arbeiten und gleichzeitig verdienen die Bauern mehr durch die effektivere Bewirtschaftung der Felder.

Ines müsste sich für eine Beteiligung entscheiden.

Theorie III: Bewerte so kategorisch wie Kant

Der Kategorische Imperativ ist fast jedem bekannt. Wie bewerten wir die Situation in diesem Fall? Sehen wir uns die Kriterien an:

  1. Die Handlung ist gut, wenn das Prinzip dahinter allgemeine Gültigkeit haben kann.
  2. Wie würde die Welt aussehen, wenn dieses Prinzip ein Gesetz wäre?
  3. Will ich in so einer Welt leben?

Stellen wir uns also diese Fragen. Ist die Arbeit mit krebserregenden Stoffen, die augenscheinlich zum Tod führen, ein Prinzip, das allgemeine Gültigkeit haben kann? Schon bei der ersten Frage können wir abbrechen. Die Antwort ist ein ganz klares „Nein“.

Ines sollte sich gegen das Unternehmen entscheiden.

 

Aktien und Moral

Moral außen vor lassen? Moralisch handeln? Es ist und bleibt subjektiv. Ich wollte euch aber nicht auch noch meine Meinung auftischen, sondern Werkzeuge an die Hand geben, wie ihr zu einer begründeten Entscheidung kommen könnt, falls ihr bei eurer Entscheidung mal richtig ansteht. Außerdem könnt ihr damit andere Investoren einordnen, besser einschätzen und effektiver argumentieren.

 

 

 

 

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