Die Landkarte ist nicht das Gebiet

Ich sitze in einem leeren Krankenhauszimmer und warte. Sind drei oder schon vier Stunden vergangen? Keine Ahnung. Jedenfalls ist es draußen dunkel geworden. Die Lichter der vor ein paar Minuten noch leuchtenden Stadt sind erloschen. Es ist interessant, dass genau in diesen Momenten so ziemlich alles egal ist. Wie sieht es in meinem Depot aus? Egal. Ist meine E/A für diesen Monat in Ordnung? Egal. Was muss noch erledigt werden? Egal. Wichtig ist nur, wie es meiner Freundin geht.

In diesem halb ängstlichen, halb fast schon meditativen Zustand ist das Leben so spürbar nah wie fast nie im Alltag. Die persönliche Landkarte ist eben nicht das Gebiet und Perspektiven ändern sich. Manchmal nur auf eine drastische Art und Weise. Es ist dieser Moment, indem die Fragen nach dem „richtigen“ Leben auftauchen. Wieder einmal.

Dabei denke ich auch an die Heinis, die das Gesundheitssystem „erneuern“ wollen. Auf gut deutsch: privat zahlen. Das ist so extrem kurzsichtig und beschämend. Wie immer bemerken Menschen erst dann wie wichtig ein gesellschaftliches Auffangnetz ist, wenn sie selbst nach einer OP eine Nadel im Hals haben, um ihre Morphiumdosis regulieren zu können, weil die Schmerzen so unfassbar stark sind.

Im NLP gibt es als Modell die 5 Lebensbereiche: Privat, Beruflich, Finanzen, Gesundheit und Selbstverwirklichung. Der Fokus ist jetzt auf Gesundheit gerichtet und strahlt gerade auf die anderen Lebensbereiche aus. Jetzt plötzlich alles zu verändern wäre der falsche Weg. Richtig ist, Anpassungen vorzunehmen. Anpassungen im Denken und im Handeln. Wenn der Fokus zu stark auf einem Lebensbereich ist, leiden die anderen darunter – oft zu sehen: Beruflich top, Leben oder Gesundheit flop. Wer jede Woche 70 Stunden arbeitet ist am einen Ende vielleicht „Leistungsträger“, am anderen aber ein ziemlicher Idiot. Sorry, ich urteile vorschnell. Das ist natürlich subjektiv. Manche brauchen das und wollen das auch. Erfahrungsgemäß hat das aber sehr oft psychische, emotionale, tieferliegende Gründe und liegt sicher auch am Hype der Arbeit. Wenn nicht, dann Glückwunsch zur beruflichen Aufopferung. Ich gebe zu: Mehr zu Arbeiten kann manchmal notwendig sein. Dauerzustand? Nein danke. Wirklich doof ist aber, wenn man 70 Stunden arbeitet, und das Geld verprasst. Ich hoffe, du gehörst nicht dazu. Wenn du dich nach diesem Absatz angegriffen fühlst, dann teile dein Leben in die fünf Lebensbereiche auf. Auf einer Skala von 1-10 (best = 10), trage ehrlich dein Gefühl ein, wie es momentan läuft. Am besten als Netzdiagramm visualisiert. Wenn du dich vergleichst, dann gehe vom Standard aus. Überall 10 trotz Extremjobbing? I am so sorry.

Wie auch immer. Alle Lebensbereiche sind wichtig und gehören gepflegt. Dann sind wir im Gleichgewicht. Ich werde mich jetzt um ein paar kümmern.

Euch nur das Beste und einen angenehmen Sonntag.