Bei der Auswahl von Wertpapieren gilt es, vor allem eines zu beachten: Gestalte es möglichst zeitaufwendig. Durchkämme auf jeden Fall die ewigen Weiten von Geschäftsberichten und berechne jedes Detail. Nur so wirst du glücklich und zufrieden sein…bis der Kurs plötzlich rapide fällt und dein Ego innerhalb von ein paar Tagen absolut zerstört wird.

Ganz ehrlich: Ich gebe mir diese Analysemasturbation nicht. Absolute Kennzahlen-Vergötterung gefällt mir nicht. Ich bin nicht umsonst Atheist. Meine Auswahl basiert bei Dividendenaktien im Wesentlichen auf den einfachen Kriterien-Kategorien im Beitrag.

Du hast gerade wenig Zeit für den ganzen Artikel? Am Ende findest du eine Zusammenfassung (TL;DR).

Auf der Jagd nach einer hohen Rendite

Als ich angefangen habe, mich mit Dividendenaktien zu beschäftigen, war natürlich die Rendite ein wesentliches Kaufkriterium. Aber hohe Dividendenausschüttungen müssen auch irgendwie bezahlt werden. Wichtig ist deshalb, nicht nur auf die Rendite zu achten. Denn zu hohe Auszahlungen sind nicht nachhaltig. Das ist, wie wenn du keinen Notgroschen hast und 3 Monate wie ein Partykönig mit Geld um dich wirfst, nur um dann feststellen zu müssen, dass du jetzt sparen musst, um das verlorene Geld wieder reinzubringen. Genau so ist es bei Unternehmen: Wenn sie lange eine zu hohe Dividende zahlen muss irgendwann gekürzt werden und du erhältst dann nicht mehr deine 0,22€ pro Aktie, sondern 0,05€.

dividendenrendite – opium für den Investor

Dividendenrenditen können demnach auch zu hoch sein. Ich würde sagen, alles über 7/8% ist schon sehr verdächtig und du solltest dir das Wertpapier genauer ansehen. Ein Blick auf die Payout Ratio kann hier helfen. Diese Kennzahl gibt das Verhältnis von Gewinn und Dividendenausschüttung an. Wie kannst du dir das vorstellen? Dein Kumpel will sich eine Stange Geld von dir leihen. Du hast gerade 1000€ verdient und gibst ihm 750€. Deine Payout Ratio ist demnach 75%. Wenn du die 1.000€ hergeben würdest und zusätzlich dein Erspartes von 200€ draufschlägst, dann wäre deine Payout Ratio 120%. Du kannst dir das mit deinem Einkommen also eigentlich nicht leisten. Zurück zu den Wertpapieren. Wenn du auf ein Unternehmen triffst, dass eine Payout Ratio von 100% oder darüber hat, und das über einen längeren Zeitraum, dann überlege zweimal, ob du wirklich investierst, auch bei monatlichen Dividendenzahlern, dir dir die finanzielle Freiheit quasi über Nacht versprechen :P.

Bei REITS ist die Berechnung nicht sinnvoll!

Dividendenerhöhungen

Das Unternehmen hat eine nachhaltige Payout Ratio und du willst jetzt kaufen? Nein, warte noch einen Moment, es gibt noch etwas, was du dir ansehen solltest: Die Geschichte des Unternehmens – also die Dividendengeschichte. Dabei stellst du dir die Frage, ob das Unternehmen in der Vergangenheit die Dividende regelmäßig erhöht hat. Das zeigt dir, ob es schon einmal Dividendenkürzungen gegeben hat oder sogar langfristig die Ausschüttungen stagnieren. Und wie du bereits gelesen hast können Kürzungen auf ein finanzielles Problem hinweisen.

Gut zu wissen: Unternehmen, die mindestens 25 Jahre die Dividende erhöht haben, gelten als Dividendenaristokraten – Ich habe dir hier dazugehörige ETFs in einer Liste zusammengefasst, da viele meiner Leser in ETFs investieren.

Das Geschäftsmodell

Investiere in ein Unternehmen, dass ein für dich nachvollziehbares und nachhaltiges Geschäftsmodell hat. Hier stelle ich mir die Frage, ob das angebotene Produkt relevant ist und vermutlich in naher Zukunft bleibt: Kann also mit dem Produkt Geld verdient werden? Diese Einschätzung ist zukunftsorientiert. Außerdem sehe ich mir meistens den Verschuldungsgrad sowie Gewinnentwicklung an und verschaffe mir einen Gesamtüberblick. Wenn du zusätzlich einen Sicherheitsfaktor der Vergangenheit haben willst, dann sortiere die Unternehmen nach der Volatilität und dem Beta-Faktor. Damit kannst du für dich selbst einen “Risikofaktor” festlegen.

Volatilität: Diese Kennzahl zeigt dir, wie sehr der Kurs schwankt. Beispiel: 20% Volatilität auf ein Jahr zeigt dir, dass die Aktie 20% +/- im Kurs schwankt.
Beta: Wie sehr schwankt das Wertpapier im Vergleich zum Gesamtmarkt? Ein Beta von 1,5 heißt, dass die Aktie um +/- 1,5% verändert, wenn der Gesamtmarkt um durchschnittlich 1% steigt oder fällt.

Halte also diese Kennzahlen niedrig, wenn du eine gewisse Sicherheit (es bleiben errechnete Kennzahlen aus vergangenen Daten und was bringt schon die Zukunft?) haben willst. Übrigens, der Autor von High Returns from Low Risk hält risikoloseres Anlegen für wesentlich effizienter.

Das waren einige Faktoren für die Analyse von möglichen Wertpapieren für dein Depot. Dividendenstrategien können sehr komplex sein, nur ein paar Faktoren beachten oder ganz spezielle Formen annehmen. Ein Beispiel für weitere sinnvolle Kriterien-Kategorien und Kriterien für eine Dividendenstrategie könnt ihr zum Beispiel bei mission-rendite nachlesen.

Mein Weg – Nicht übertrieben und die Depotentwicklung stimmt

Manche Menschen stehen darauf, alles mögliche zu analysieren, sich durch Geschäftsberichte zu wühlen, um das noch so kleinste Detail rauszukitzeln. Ich halte das für Zeitverschwendung und handhabe das wie bei klassischen Partialmodellen der Investitionsrechnung: Suche dir deine wichtigsten Kriterien heraus, denn alle Rahmenbedingungen kannst du nicht abbilden – und das ist auch gar nicht sinnvoll. Denn die Zukunft macht dir einen Strich durch deine Berechnungen. Ich richte mich nach der Rendite, den Erhöhungen und dem Geschäftsmodell. Zusätzlich werfe ich einen Blick auf einzelne finanziellen Kennzahlen und verschaffe mir einen Überblick. Bisher hat das super geklappt und war mehr als ausreichend. Neben dem Erhalt der Dividendenzahlungen war auch die Depotentwicklung in diesem Jahr dauerhaft positiv.

TL;DR

Die Suche nach geeigneten Aktien für das Dividendendepot und allgemein nach Aktien wird unterschiedlich komplex gehandhabt. Ich halte von dem tagelangen Durchwühlen von Berichten und Kennzahlen nichts, da die Zukunft unsicher bleibt. Allerdings helfen Kriterien schon, die Unsicherheit etwas abzufedern. Ich schaue bei Dividendenaktien auf die Rendite (+Payout Ratio), Die Erhöhungen der Dividende im Zeitverlauf und auf das Gechäftsmodell, wobei hier ich mir auch einen Überblick über die Gesamtsituation verschaffe. Diese Vorgehensweise hat bisher sehr gut geklappt und mir nicht nur schöne Dividenden, sondern auch Kursgewinne beschert.